25. Mai 2006Aus dem Bauch der Sphinx Uri Bülbül liest literarische, essayistische und philosophische Texte aus seinem Hypertext-Projekt ZERFAHRENHEIT - Verlinkte Fragmente.
Es ging um zwei gefällte Bäume, auf dem Hof des Schreibhauses, in deren Geäst Eichhörnchen lebten. Im Winter noch kahl war mein Blick auf diese Bäume geheftet, als ich meine letzte Liebes-SMS an meine Lebensgefährtin schrieb, die sich einen Tag später von mir trennte. Sie grünten nun im Mai, und es hätte eine schmerzliche Idylle sein können, wenn die Dinge nicht schon verschmerzt gewesen wären und verwunden, in beste und tatsächliche Freundschaft überführt; und wenn sich nicht eine neue Liebe angebahnt hätte auf eine märchenhafte Art und Weise. Das Glück wollte mich nicht fallen lassen. Es fügte eines zum andern und nur zum Besten, so daß es mir unheimlich wurde. Gibt es die Selbstorganisation des schönen Lebens? Oder eine ordnende und fügende Hand, übermächtig und warum auch immer mir wohlgesonnen? So konnte der Text, meine Nachricht aus dem Büro kitschig und metaphysisch zugleich werden. Kein Wunder, daß der Server ihn nicht akzeptierte - nicht von einem Agnostiker und Skeptiker, nicht von einem Pragmatiker des Anythinggoes, des analytischen Liberalismus eines späten Wittgensteins mit Sprachspieltheorien. Ein bißchen mehr Distanz zu den gefällten Bäumen konnte nun nicht schaden; die Botschaft interpretierte ich so: "Vergiß die Vergangenheit, schwelge nicht in Melancholie, das Leben geht weiter und gibt dir neue Ansatzpunkte neuen Glücks." Das allerdings muß wietergedacht werden; denn es geht nicht um Glück ohne Preis. Es sind neue Herausforderungen, die auf mich warten, neue Aufgaben, neue Probleme, und damit ich das besser sehen kann, mußten die Bäume aus dem Blickfeld weichen - wenn das keine Metaphysik ist ;-) |
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