Leidworte
Zerstreutes Hinaussehen aus
der Röhre.
Und immer dieselbe Frage: Was mag Prometheus während seiner Folter
gedacht haben?
Mit Mythengestalten lassen sich Gleichnisse bilden, bis Leser sich
in ihren Bildungsgütern verkrampfen: War er nicht und hat er nicht
und der Sohn und ein Überläufer und das Feuer, vielleicht dem
Menschen das Leben eingehaucht und womöglich den Erkenntniswillen
oder vielleicht doch nur die Wissenschaft?
Die Allmachtsapparatur Babel ein Reagenzglas zur
Überfütterung
der Hybris für gottgleiche Homunkuli? Geklont aus einem Funken
Verstand,
der verglühte, noch bevor es sich nach Identitäten und
Deckungsgleichheit
fragen ließ?
Treffen sich Doktor Faustus und Doktor Frankenstein auf dem
Polarmeer…
wer sollte über diesen kosmischen Witz lachen [können]?
Womöglich ein Traum des Prometheus voller Fragwürdigkeiten
und antwortkarg!
Am Abend der Philosophie [=Filosofie] färbt sich der Himmel
nicht einmal für die Ewigromantischen blunarot. Ein paar
Verlierergedanken
im Lande der Richter und Henker und schweigender Massen zugleich
Verwitzigter
und Verdummter im vereinten Mediengrab. Was könnte es in Platons
Medienhölle
Schöneres geben als Breitwand und Dolbysurround? 3-D! [Eine]
Wahrheit, die in der pseudo-erlebnisadäquaten Augapfelzentrierung
läge. Wir beißen hinein in die Frucht der Schlange, bereit
die
Vertreibung auf uns zu nehmen. Was Ödipus
sich ausstach, weil es ihm die Wahrheit nicht zeigte, soll zur totalen
Freude uns gereichen.
So trinken wir aus dem Kelch, der an uns vorbeigegangen wäre.
Ein Prosit, ein Prosit, ein Prosit auf die Gefälligkeit und
trunken
vor Glück tauchen wir ein unser Haupt ins heilignüchterne
Wasser
des Deutschen Rheinheitsgebots.
Uri Bülbül, Bochum im Mai 1999
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