PrometheusFür seinen Feuerdiebstahl und für sein Ungehorsam wird Prometheus von Zeus hart bestraft. Allerdings spielt Prometheus auch eine wichtige Rolle im Kampf der Götter, die der Herrschaft des Zeus vorausgehen. Wenn er auch nicht unbedingt eine zwielichtige Gestalt ist, so ist Prometheus doch immerhin ein Überläufer, der ein Geheimnis, das nicht für Zeus bestimmt war, ihm überbringt. Doch scheint Zeus, obwohl er durch den Verrat des Prometheus an die Macht gekommen ist, diesem Überläufer nicht ganz trauen zu können oder trauen zu wollen. Prometheus’ Feuerdiebstahl symbolisiert den menschlichen Kulturfortschritt. Überhaupt wird Prometheus als Kulturbringer verehrt. Baukunst, Schiffahrt und Astronomie werden ihm zugeschrieben. Mit der Übergabe des Feuers an den Menschen wird der Mensch erleuchtet und vernunftbegabt. Das Feuer gilt als Erkenntnis- und Kulturquelle und Prometheus erweist sich als Wohltäter der Menschen, indem er ihnen mit dem Feuer alle Künste, geistige und körperliche Fertigkeiten, Kopfwerk und Handwerk, kurzum die ganze Kultur bringt. In Athen wurde Prometheus auch von Handwerkern, vor allem Töpfern als Schutzpatron verehrt. Prometheus wird zum Teil aber auch als Schöpfer des Menschengeschlechts angesehen, der aus Lehm und Wasser Männer und Frauen formte. Die Töpferei als zentrales Kulturhandwerk wird damit mythologisch überhöht. Auch Johann Wolfgang Goethe zeigt in seinem Gedicht Prometheus, wie er Menschen "töpfert". Hier sitz ich forme Menschen
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Allerdings ist dies nicht als Schöpfungsmythos zu verstehen wie etwa im Alten Testament. Der Mensch existiert im Goetheschen Gedicht auch vor diesem Schöpfungsakt, denn Prometheus wirft Zeus vor, von Kindern und Bettlern Opfersteuern zu nehmen. Während er, Prometheus, auf der Erde aus eigener Kraft leben könne, müßten die Götter im Himmel verhungern, gäbe es da die Opfersteuern der aus Torheit bezahlenden Kinder und Bettler nicht. Folglich gibt es Menschen, die an die olympischen Götter glauben. Prometheus schöpft nicht den Menschen an sich, sondern ein neues Geschlecht von Menschen nach seinem eigenen Ebenbild. Somit steht er für einen kulturellen Diskurswandel, für eine kulturelle Revolution. |
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| Der Prometheus-Mythos hat eine Vorgeschichte, die sich in der Entstehung der Götterwelt (Theogonie) findet und in die sich die Figur des Prometheus mit ihren Taten und den dadurch ausgelösten Ereignissen einbettet. Am Anfang der Götterwelt steht, wie bereits erwähnt, nicht Zeus mit seiner Gründung des Olymp, sondern die Allmutter und Mutter Erde Gaia, die mit Uranos, dem Himmel vermählt ist. Es ist also die klassische Verbindung von Himmel und Erde, aus der alles andere hervorgeht. Uranos, der Himmel, erscheint als der Vater der Titanen, der Kyklopen und der Hekatoncheiren. Damit ist er letztendlich, wollte man eine patriarchale Linie zeichnen, der Ahnherr aller Götter. Während die Titanen die menschenähnlichsten Wesen sind, haben die Kyklopen und die Hekatoncheiren monströse Züge. Die Erwähnung ihrer Eigenschaften ist wichtig, weil sich an ihnen der Streit entzündet, der zur Theogonie, zur Entstehung der Götterwelt führt. Himmel und Erde erscheinen zunächst vereinigt und vermählt, sie streiten und scheiden sich aber auch. Auslöser des Streites und der Scheidung sind die monströsen Wesen, die Kyklopen und die Hekatoncheiren, die Uranos in die Finsternis stürzen und vernichten will. | |
| Uranos erstrebt eine Selektion, die Gaia nicht gutheißen will.
Uranos beabsichtigt, die monströsen Wesen zu vernichten und allein
die Titanen, denen die Menschen ähneln, als Nachkommen gelten zu lassen.
Die Mutter Erde aber (Gaia) steht auch zu ihren monströsen Kindern
und stiftet Kronos (Zeit) zum Vatermord am Himmel (an Uranos) an. Die Zeit
kastriert den Himmel, wodurch neue Ungeheuer geboren werden. Und Kronos
selbst stürzt sich in Wahnsinn und hat Angst, von der Hand seiner
Kinder dasselbe Schicksal zu empfangen, das er seinem Vater Uranos bescherte.
Aus dieser wahnsinnigen Furcht beginnt Kronos, seine Kinder zu verschlingen,
wie nunmal jede Revolution ihre eigenen Kinder frißt. Es ist wieder
die Ehefrau, die eingreift und die Machtverhältnisse beeinflußt.
Rheia, Kronos’ Frau, gibt ihm irgendwann in Windeln gepackte Steine zu
fressen und rettet ihrem Kind Zeus das Leben. Versteckt wächst Zeus
heran und organisiert einen Kampf, einen Aufstand gegen den tyrannischen
Vater Kronos. Gaia, zunächst auf der Seite des Kronos, gibt Prometheus
den Hinweis, daß der Krieg zwischen Zeus und Kronos nicht durch nackte
Gewalt entschieden werden könne, sondern nur durch List und Vernunft.
Damit wird also ein kultureller Generationen- bzw. Paradigmenwechsel angedeutet.
Wollte Uranos erst nur die Titanen als Nachkommen gelten lassen und die
Kyklopen und Hekatoncheiren, diese monströsen Wesen, einäugig
und tausendarmig, vernichten, so möchte nun Gaia, daß Vernunft
und List, also geistige Größen in den Kampf der Götter
eintreten und die neue göttliche Ordnung bestimmen, die eigentlich
eine Kulturelle Ordnung ist.
Doch wer wird diese neue kulturelle Ordnung, in der Vernunft und Rationalität die Schlüsselrolle spielen sollen, göttlich verkörpern? Gaias Weissagung gilt den Anhängern des Kronos, der wahnwitzig seine Nachkommen frißt. Kronos soll siegen und dieser Sieg soll auf den neuen Kriterien beruhen. Doch findet Prometheus mit dieser Botschaft bei Kronos und seinen Anhängern kein Gehör. Daraufhin trifft er seine eigenmächtige und nicht von Gaia intendierte Entscheidung und wechselt die Fronten. Von Gaia wird Prometheus also als Kultur- und Vernunftträger und Überbringer auserkoren und er erfüllt diese Aufgabe auch, ändert allerdings eigenmächtig, aber nicht ohne Grund, den Empfänger seiner Botschaft. |
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| Zeus zeigt sich für Prometheus’ Kunde offen und empfänglich
und weiß die Information zu schätzen und zu nutzen. So gewinnt
er den Kampf gegen Kronos, obwohl dies nicht die letzte Prüfung für
ihn sein wird. Prometheus aber haftet nun aus der Sicht des Kronos und
der Gaia ein Hauch von Verrat an. Aber auch Zeus, der doch von Prometheus’
Botschaft profitierte, bleibt Prometheus gegenüber mißtrauisch.
Wie sehr darf man einem verräterischen Überläufer trauen?
So bekommt Prometheus mehr oder weniger eine Außenseiterrolle im Olymp. Zeus dagegen steht für die Neuordnung der Welt und ist der neue Machthaber. Und in dieser Rolle will er die alte Gattung Mensch, die er für überkommen hält, vernichten und sich eine neue Gattung von Wesen schaffen, die das Neue besser repräsentieren sollen. Prometheus stellt sich gegen diese Entscheidung und erweist sich immer wieder als ein Menschenfreund. So bei den Opfergaben, die er den Göttern entzieht und bei der Überbringung des Feuers. Zeus’ Strafe für Prometheus fällt nicht milde aus. Prometheus wird an den kaukasus geschmiedet, und jeden Tag kommt ein Adler, der ihm die Leber zerhackt, die über Nacht nachwächst, so daß Prometheus endlosen Qualen ausgesetzt ist. Die Leber gilt als der Sitz der Psyche, der Stimmungen und der Persönlichkeit. Zeus’ Strafe für Prometheus zielt also symbolisch auf die Vernichtung seiner Persönlichkeit. Es ist vielleicht jene Persönlichkeit, auf die Goethe in seinem Gedicht anspielt, wenn er Prometheus sagen läßt: Ein Geschlecht, das mir gleich sey,Stolz verkündet Prometheus bei Goethe in diesen Worten seine seelische Tiefe, die er Zeus und den anderen Göttern abspricht. Und genau diese seelische Tiefe scheint der Adler im Blick zu haben, wenn er Prometheus’ Leber zerhackt. Im Zeitalter der Coolness jedoch mögen genau die Ideale, die Goethe Prometheus in den Mund legt, fragwürdig zu sein. Spricht Prometheus hier nicht wie ein Jammerlappen, der in seinem Sandkasten sitzt und schmollend Menschen nach seinem Bilde formt? Prometheus spricht in Goetehs Gedicht keineswegs den Diskurs eines aufsässigen und mutigen Titans, der seinen Gegner provozieren und herausfordern möchte. Schnell weichen die ersten großmäuligen Imperative Bedecke deinen Himmel Zevseinem defensiven Ton, der ganz konservativ nur darauf bedacht ist, seinen Raum zu schützen und ganz und gar nicht für eine höhere Freiheit zu riskieren. Hört diesem infantilen und verzagten Prometheus Zeus überhaupt noch zu? Ist er anwesend oder hat er sich schon längst abgewandt von dem Trotzkopf, der eigentlich gar nicht den Kampf sucht, sondern nur sein kleines Revier verteidigen möchte: seine Hütte, sein Feuer, seinen Spielplatz, wo er seines Gleichen formt? Dieser großartigen Geisteshaltung des Zeus widerspricht eine andere Nuancierung des Mythos: Während alle anderen Gegner des Zeus nach der Etablierung seiner Macht begnadigt werden, bleibt Prometheus an seinen Felsen geschmiedet. So gibt es eine tiefgreifende Gegnerschaft zwischen diesen beiden Göttern, was beispielsweise zwischen Kronos und Zeus nicht vorhanden ist. Auch Gaia und Zeus wissen sich miteinander zu arrangieren. Nur eine Einigung zwischen Zeus und Prometheus gibt es nicht. Prometheus wird durch Herakles, der selbst halb Mensch, halb Gott ist, befreit. Herakles tötet den Adler und sprengt die Ketten, die Hephaistos geschmiedet hat. Nach seiner Befreiung lebt Prometheus zurückgezogen. Es kommt nicht mehr zu einem weiteren Machtkampf zwischen ihm und Zeus. |
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Zeus’ Frau Hera über das Menschengeschlecht:
"Typisch für Menschen ist nur, daß sie Kriecher sind, widerliche schleimige Kriecher, die Mühsal beladen um ihren Lebensunterhalt kämpfen müssen, bis der Tod sie holt! Einfach zertreten sollte man sie, zertreten und zerquetschen! -was du eigentlich bei deinem Amtsantritt auch vorhattest und aus irgendwelchen falschen Rücksichten -ich weiß nicht, auf wen, wieder aufgegeben hast! Weg mit diesen widerlichen Kriechern, die kriechend sich aufrichten wollen, gottgleich sein! Pah! Ein ewiger Widerspruch und sonst gar nichts sind sie!" Zeus schätzte seine Frau sehr, teilte eigentlich auch ihre Meinung über den Menschen. Doch ihre offensichtliche Eifersucht machte einiges von dem, was sie zu sagen hatte, unglaubwürdig. Außerdem wollte er nicht schon wieder die gerade erst beendete Diskussion um das Menschengeschlecht neu entfachen und fand Heras zum Teil öffentlich vorgetragene Meinung über das Zertreten dieser kümmerlichen Existenzen unangebracht. Sie warf die Frage im Olymp auf, warum denn nun Zeus, der allmächtige Herrscher nicht das getan hatte, was er ursprünglich tun wollte. Und diese Frage konnte an seinem Image kratzen. Natürlich hätte er gleich nach der Machtübernahme ohne großen Aufhebens die Menschen zertreten können. Was tun? Die Welt ist weggegeben? Dann hätte er problemlos neue Wesen erschaffen können, neue Wesen nach seinem Ebenbild, nach seinem Ideal, ganz ohne den Ballast der alten Welt. Kronos’ Spuren wären weggewischt worden, und die neue Macht im Himmel wie auf Erden hätte sich makellos etablieren können. Das brauchte doch Hera ihm nicht zu erzählen! Es waren seine eigenen Gedanken, die sie so wutentbrannt, vor Eifersucht glühend ihm an den Kopf warf! "Die Dinge haben sich nun mal ein bißchen anders entwickelt als erwartet!" entgegnete er ihr. "Dieser miese Überläufer hat ein wenig Ärger gemacht!" "Ha! Ein wenig Ärger! Auf den Arm genommen hat er dich! Dieser Verräter!" Zeus zuckte die Achseln. "Na und? Was hat er davon?" Er hatte eine diplomatisch ausgeklügelte Lösung des Problems gefunden und mit Pandora die Sache elegant gelöst. Nun sollte ihm Hera nicht biestig ins Handwerk pfuschen! Er sagte es ihr natürlich nicht. Daß der Konflikt zwischen ihnen eskalieren könnte, kam ihm gar nicht erst in den Sinn.So werden die Mythen von mir weitergesponnen und verschiedene Stränge zusammengeführt. Da ist der gefesselte Prometheus, da ist die eifersüchtige Hera, die Herakles nicht im Olymp haben möchte, da ist ein unpolitischer und argloser Herakles, der spontan angesichts des Leids beschließt Prometheus zu befreien. Die Folgen sind ihm egal. Niemand soll, ganz gleich aus welchen Gründen, so leiden müssen. |
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Wie stelle ich mir die Begegnung zwischen Herakles und Prometheus vor?
Da stand er, aufrecht neben dem toten Geier, den er mit der Fußspitze verächtlich stupste, als hätte es die schier endlosen Qualen, die fürchterlichen Schmerzen, die jeden in den Wahnsinn getrieben hätten, nie gegeben, als hätte der Geier nie existiert, ihm niemals die Leber zerhackt. So stand er breitbeinig und herausfordernd vor dem erstaunten Herakles, nicht gebrochen, nicht verzweifelt, sondern ein heiterer Geist.In einer anderen Version wäre Prometheus zerbrochen und zerstört, vollkommen irre geworden, ein Mann mit Zuckungen, Alpträumen, Angstattacken - nahezu ohne Bewußtsein! Er muß langsam und behutsam aufgebaut werden, allmählich wieder zu sich finden und seine Psychosen überwinden. Wer könnte Herakles bei der Betreuung dieses Pflegefalls behilflich sein? An wen kann sich Herakles wenden? |
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